Dolomiten Report 2005
6. Tag: Abstieg zum Pragser Wildsee und Ende der Tour
Am nächsten Morgen sind wir nach dieser ungemütlichen Nacht
früh wach. Die Sonne scheint, und der
Blick
aus dem Fenster bietet ein ungewöhnliches Panorama - komplett in
weiß. Es liegt 5-10 cm Neuschnee, alle Gipfel ringsrum sind winterlich
weiß.
Schnell geht's ab nach draußen zur Foto-Session, denn das wird
uns in Deutschland kaum
einer
glauben. Leider sind noch nicht alle Kleidungsstücke trocken, aber
was soll's. Der morgentliche Waschgang fällt dann aufgrund des
Andrangs an wenigen Waschbecken eher dürftig aus. Ähnlich
ist es mit dem Frühstück bestellt. Wir erkundigen uns beim
Hüttenwirt über die Wegverhältnisse zum Seekofel, dieser
rät uns von einer Besteigung ab, zu klitschig sei der Steig - und
die Wegmarkierungen wären nicht sichtbar.
Mürrisch
treten wir den Rückweg an - und schlagen heute die kürzere
Wegstrecke ein. Trotz Sonnenschein also heute kein Gipfelglück.
Die Stimmung ist gedrückt. Der Weg führt uns durch riesige
Geröllhänge, Felsbrocken, die die Nordflanke des Seekofel
einst zierten und irgendwann den Weg ins Tal angetreten sind. Tatsächlich
sind die roten Markierungen
anfangs
wirklich nicht zu erkennen durch den Schnee. Je weiter wir absteigen,
desto wärmer wird es, wir haben das Gefühl, vom Winter in
den Sommer zu wandern. Bald begegnen uns die ersten aufsteigenden Wanderer
in T-Shirt und kurzen Hosen. Unsere unterschiedliche Kluft - wir in
dicken Pullovern verpackt - bringt uns ins Gespräch. Durch Wälder
über Stein und Wurzeln führt der Weg schließlich an
die Weggabelung, die wir vom Vortag kennen. Gestern haben wir diesen
Weg völlig übersehen. Er hätte uns 1 h Kälte und
Nässe erspart.
Am
Pragser Wildsee angekommen - hier tobt der Tagestouristenrummel wie
immer - faulenzen wir dann erstmal direkt am See und belustigen uns
mit Steinewerfen. Zurück zum Parkplatz nehmen wir die nun andere
Uferseite, die hoch oben im Fels teilweise schöne Tiefblicke und
eine schöne Aussicht über den See bietet.
So richtig touristisch wird's dann rund um die Imbissbuden und Trinkhallen
unmittelbar beim Hotel bzw.
bei
den Parkplätzen. Aber auch wir gönnen uns Wurscht und Pommes
- und überlegen, was wir mit dem Nachmittag anfangen. Die Sonne
schwindet jedoch inzwischen wieder. Alsbald
machen
wir uns auf den Weg Richung Misurina und Auronzohütte am Fuße
der Drei-Zinnen. Schlechtes Wetter lässt uns hier dann erneut umkehren.
So verbringen wir Abend und Nacht im bekannten Sexten, Ortsteil Moos
im Haus einer urigen netten alten Dame. Hier fanden wir vor Jahren eine
super Pizzaria, wo wir uns auch heute wieder verköstigen lassen
- Pizza mit viel Olio picante!
Am nächsten Morgen erzählt uns die alte Dame beim typisch
südtiroler Frühstück, dass bereits Theo
Waigel
in jungen Jahren zu ihren Gästen zählte. Dabei schimpft sie
auf die Italiener - zählt sich als Südtirolerin selbstverständlich
nicht dazu. Sodann brechen wir auf mit wehmütigem Gefühl im
Magen.